Schachtverfüllung Zeche Auguste Victoria |
Fertig zum AbfüllenDie Arbeiten zur Verfüllung von Schacht 1/2 der Zeche Auguste Victoria haben begonnen. 75 000 Tonnen Beton werden in den kommenden Wochen in die Tiefe gepumpt. Marl. Es zischt. Sekunden später ein dumpfes Bollern. Eine Ladung Zement fällt in die riesige Mischtrommel. Die weiße Maschine schüttelt sich. Neben dem Industriemischer - ein computergesteuerter Betonmischer in Groß - steht ein blauer Container. Darin sitzt Karlheinz Oesterwind ganz entspannt vor dem Kontrollpult. "Ich muss gucken, dass vernünftiger Beton aus der Kiste läuft", erklärt der 43-Jährige. Vier Analoguhren sowie parallel dazu der Computerbildschirm - doppelt hält besser - zeigen ihm an, ob die Mischung aus Sand, Zement und Wasser stimmt. Der gelernte Dachdecker, der seit 1993 als Mischanlagenfahrer für die Firma Heinrich Becker arbeitet, hat in den letzten 14 Jahren etliche Schächte im Ruhrgebiet verfüllt. "Die Namen habe ich schon wieder vergessen." Seit gestern steuert Karlheinz Oesterwind nun einen der beiden Industriemischer, die wenige Meter neben den denkmalgeschützten Fördertürmen der Schächte 1 und 2 auf Auguste Victoria stehen. Er wechselt sich im Drei-Schicht- Betrieb mit seinen Kollegen ab - verfüllt wird rund um die Uhr. 800 Meter donnert der Beton im freien Fall in die Tiefe. Bis ganz nach unten reicht die Betonsäule bei der Teilverfüllung nicht. Die unterste Sohle bleibe offen, um weiterhin Grubenwasser annehmen zu können, erklärt Alfred Dodot, Abteilungsleiter für marktscheiderische Öffentlichkeitsarbeit des Bergwerks Auguste Victoria. Auf dem Parkplatz der Ausbildungsabteilung des Bergwerks, der unmittelbar an den Schächten liegt, türmen sich Sandberge. Ein Sattelzug, beladen mit 25 Tonnen Sand, rollt auf das Gelände. Ein weiterer steht gerade mit aufgestellter Ladefläche an einem Sandhaufen und kippt seine Ladung ab. Von der Wartungsplattform oben an der Trommel des Industriemischers schweift der Blick über die Halde. Zwischen den grauschwarzen Geröllbergen rollen vier weitere Sattelzüge heran. 3000 werden es bis zum Ende der Verfüllarbeiten sein, etwa 100 am Tag. Weil ein Hightech-Unternehmen befürchtete, dass dieser massive Schwerlastverkehr seine empfindlichen Kabel beschädigen könnte, war es im Vorfeld zu Verzögerungen gekommen: Erst musste eine Straße ausgebessert werden, um den Belastungen des Lkw-Verkehrs standzuhalten. Zwischen den Sandbergen auf dem Parkplatz rangieren zwei Radlader. Unaufhörlich brüllen ihre schweren Dieselmotoren. Die Schaufeln fressen sich in den Sand. Staub liegt in der Luft. Die Radlader kippen den Inhalt ihrer Schaufeln in die Sandbehälter der beiden Industriemischer. Bis Ende der 60er Jahre habe man stillgelegte Schächte mit losem Kies, Sand und Steinen verfüllt, erklärt Alfred Dodot. "Da gab es Probleme, weil sich das Material setzt." Deshalb sei man Anfang der 70er Jahre dazu übergegangen, eine feste Betonsäule zu gießen. Bevor es jetzt losgehen konnte, waren viele Vorarbeiten unter Tage erforderlich, sagt Dodot. So wurde die Wasserhaltung - bis Ende 2006 wurde das Grubenwasser noch an Schacht 1/2 gehoben - auf Schacht 3/7 umgebaut. Als Basis für die Teilverfüllung wurde eine 20 Meter dicke Betonbühne in jeden der beiden Schächte eingezogen. Inklusive der Vorarbeiten koste die Verfüllung der Schächte drei Millionen Euro, erklärt Projektleiter Klaus Kammann von der Deutschen Steinkohle. Die Betonsäulen allein immerhin knapp 1,3 Millionen Euro. Quelle: derwesten.de |
