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20. Mai 2012

Bunker in Oberhausen wird nach und nach gesprengt

Es fühlt sich an wie ein sanftes Grollen, als hätte ich das Handy in der Gesäßtasche vergessen und schlackert hoch bis in die Fingerspitzen: Brrrrrrt – nur das der „Vibrationsalarm” in diesem Fall wohl soeben fünf Quadratmeter Betondecke weggesprengt haben dürfte. Mitten in der Stadt.

Es rumort im Bunker am Evangelischen Krankenhaus Oberhausen: Das monströse Relikt an der Ecke Virchow-/Lipperheidstraße wird nun – 68 Jahre nach seiner Erbauung (1941) – scheibchenweise von der Spitze bis zum Fundament abgetragen. Bis zum 18. Dezember wollte man ursprünglich fertig sein, berichtet der Leiter des Facility Managements, Marcus Gaubitz – aber die Außendecken sind in der Realität dicker als angegeben: „Statt mit zwei bis 2,20 Meter haben wir es mit Stärken von über 2,30 zu tun.” Das kostet Zeit. Und so wird es wohl noch bis Silvester knallen.

„Vielleicht kriegen wir es auch hin – wenn es später an anderen Stellen schneller geht”, stellt Gaubitz in Aussicht.

Vier Mal pro Tag

Vier Sprengungen werden am Tag durchgeführt, mit jeweils zwei bis drei Stunden Pause dazwischen. Im Augenblick ist die Außendecke dran, später werden die Außenwände folgen. Erst werden die Löcher circa 1,60 Meter tief gebohrt. Dann plaziert und verkabelt der Sprengmeister den explosiven Stoff. Über die Chargen werden dicke Gummi- und Stahlmatten gelegt, die die Explosion dämmen und herumfliegende Steinchen verhindern sollen.

Zudem sprengt man eine Fläche von fünf Quadratmetern stets zeitversetzt im Abstand von 10-20 Millisekunden, um die Wucht zu mildern. Wände werden von oben angebohrt und die Sprengladungen so angebracht, dass sie nach innen explodieren.

Staub und Splitter

Dann endlich folgt das erste Warnzeichen: Trööööt, trööt-trööt – „eins lang, zwei kurz”, erläutert Gaubitz. Baduummm! Viel mehr als eine Menge Staub und kleiner Splitter sieht man von dem „Big Bang” dank Abschirmung nicht. Schließlich erfolgt ein dreifaches Tröten zur Entwarnung und ein Bagger trägt den pulverisierten Schutt ab.

„Eine Sprengung im Wohnviertel ist ja alles andere als alltäglich”, so Nicolai Werner, „aber wir haben dieses Verfahren gewählt, weil es für die Anwohner und unsere Patienten am schonendsten ist.” Die Alternative – den braunen Weltkriegswürfel mit rund 1800 Quadratmetern Grundfläche etwa mit dem Meißel abzutragen – hätte das Umfeld durch das ständige Klopfen mit deutlich mehr Lärm belastet, meint der EKO-Pressesprecher.

Anwohner mitgenommen

Im September führte man bereits eine Probesprengung durch und stellte Messungen in einer Wohnung in der Lipperheidstraße an. Die zeigten an: Sprengung unbedenklich – „im neuen A-Gebäude hatte man es noch nicht einmal mitbekommen”, lächelt der Pressesprecher. Beschwerden der Anwohner gab es bislang kaum, weil man sie schon im Vorfeld mitnahm, eine Bunkerführung anbot und Mitteilungen verschickte.

„Ein Bild fiel bislang von der Wand”, scherzt Werner, „vielleicht wäre es auch so runtergefallen. Aber wir wissen, dass wir die Anwohner leider auch belasten – es ist halt eine Zwickmühle, wenn man mitten im Stadtviertel etwas modernisieren will.” 700 000 Euro kostet der Abriss, weitere 1,3 Mio der Aufbau des neuen eingeschossigen Parkhauses. „Es wird auf jeden Fall grüner”, verspricht Werner, „und für Patienten und Besucher ein Gewinn dank kurzer Wege.”

Quelle: derwesten.de

 
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